|
Schriftliche Quellen... belegen, dass es zotthaarige Herdengebrauchshunde in Deutschland seit mehreren Jahrhunderten gibt. Eine der ältesten Beschreibungen, in der diese Hunde auch eindeutig als “Pudel” bezeichnet werden, stammt aus dem Jahre 1779. Christopher Kluk, Zoologe und Botaniker, erwähnt einen Hund und benutzt wegen seines zottigen Felles die Bezeichnung “Pudel”. ”...die Pudel, meist mittelgroß, zottig, sind sehr kluge Hunde mit fast menschlicher Intelligenz. Kein anderer Hund kann es mit ihm beim Hüten der Herde aufnehmen.”
Entstehung... Wie diese Hunde entstanden sind, darüber gibt es verschiedenste Theorien. Trotz einiger Erwähnungen in landwirtschaftlichen und kynologischen Büchern des 18. Jahrhunderts nahm man keine Notiz von diesen Hunden, denn sie taten ihre Arbeit unbeachtet von aller Öffentlichkeit. Nur geschätzt von Bauern und Hirten.
Ende des 19. Jahrhunderts, als die Kynologie auch in Deutschland immer mehr Anhänger fand, besann man sich auch der alten Hütehundschläge und rückte sie in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Einen ersten Standard für den zotthaarigen Hütehund stellte Ludwig Beckmann (1890) auf. Auch in den von Meyer und Stephanitz um 1898 herausgegebenen Rassebeschreibungen ist dieser zotthaarige Schlag noch enthalten. Rudolf Löns versuchte in einem Artikel, der während des ersten Weltkrieges in der Zeitschrift für Schafzucht erschien, die Schäfer zu ermuntern, während dieser schlechten Zeiten, die Hunde nicht aufzugeben, und gibt ihnen die Vision, mit der Zucht eines “so vortrefflichen Hundes” nach dem Krieg die eine oder andere Mark hinzuverdienen zu können.
Verein für bodenständige Hütehunde.... Es war dann dem Bemühen von Dr. Wieland zu verdanken, dass sich 1927 der Verein für bodenständige Hütehunde gründete, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte die drei in Pommern vorkommenden Hütehund- schläge in ihrer Reinzucht zu fördern. Neben dem weißen (und reinweißen) pommerschen Schafpudel kannte man noch den weißen Hütespitz, der als Urahn des weißen Schäferhundes anzusehen ist und den weißen schlichthaarigen pommerschen Hütehund. Letzterer muß als ausgestorben angesehen werden. Durch Veröffentlichun- gen von Rudolf Löns und dem pommerschen Tierarzt Wieland wissen wir, wie der Schafpudel zu Beginn des Jahrhunderts aussah. Ihre Veröffentlichungen sind heute eine große Hilfe bei der Rekonstruktion dieser Rasse. 1936 wurde von Dr. Rassow ein erster Standard des Schafpudels veröffentlicht, der heute als wichtige Grundlage dient. In das von dem Verein für bodenständige Hütehunde geführten Zuchtbuch wurden bis 1938 bereits 570 Herdengebrauchshunde eingetragen. Dies waren alles Vertreter der drei oben genannten Schläge, davon 110 Schaf- pudel. Man bemühte sich in all diesen Jahren aktiv darum einen typischen Schafpudel zu züchten.
Mißerfolgsgeschichte.... Doch die Erfolgsgeschichte des Deutschen Schäferhundes wurde die “Mißerfolgsgeschichte” des Schafpudels. Der Schäferhund passte einfach in den nationalistischen und militäristischen Zeitgeist der 20iger und 30iger Jahre und zur Blut und Boden Philosophie des Nationalsozialismus. Oft wird der “Deutsche Schäferhund” auch als Wolfshund bezeichnet. Während sich der Deutsche Schäferhund vor allem in der reinen Sportzucht durchsetzte, blieben alle Bemühungen den altdeutschen Schafpudel wirklich “planmäßig” zu züchten erfolglos. So ist das nun eben, mit Hunden, die mit ihrem zotteligen, oft ungepflegt wirkenden Fell nicht in die Zeit passen. Es gibt sogar die Anekdote, daß im Nationalsozialismus überlegt worden sei, den Altdeutschen das Hüten zu verbieten und nur noch den “deutschen Schäferhund” an Schafen arbeiten zu lassen.
Harras ... Dazu passt auch: Der berühmte Braunschweiger Polizeihund Harras, der den Mädchenmörder Duve entlarvte, und damit der Polizeihundebewegung Bahn brach, war kein Schäferhund (obwohl oft so bezeichnet), sondern wie Rudolf Löns schreibt “ein rechter niedersächsischer Schafpudel”.
Während des zweiten Weltkrieges ruhten alle Bemühungen um den Schafpudel.
DDR-Zeit... Auf freiwilliger Basis wurde zu DDR – Zeiten ein Zuchtbuch für Herden- gebrauchshunde geführt. Auch hier findet man Eintragungen von Schaf- pudeln. Auch wurde eine Spezialzuchtgemeinschaft Herdengebrauchshunde gegründet. Mangelndes Interesse der Schäfer ließ jedoch alles einschlafen. Es ging in den volkseigenen Betrieben um die industrielle Schafproduktion, da waren die Hunde nur Beiwerk. Trotzdem konnte sich der Schafpudel gerade durch die Gegebenheiten in der ehemaligen DDR bis in unsere Zeit hinüberretten. Mit dem Niedergang der DDR hatten die großen Schafherden und viele, viele wertvolle Hütehunde das Nachsehen und wurden eliminiert.
Auch heute.... ist das Interesse bei vielen Schäfer an ihren wertvollen Helfern nur bedingt vorhanden. Zwar gründeten in den achtziger Jahren einige Schäfer die “Arbeitsgemeinschaft für altdeutsche Hütehunde”. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die altdeutschen Hütehundschläge als Arbeithunde zu erhalten. Von einigen Mitgliedern dieses Vereins wurde 1996 dann der “Arbeitskreis Schafpudel” ins Leben gerufen.
|